Seit einem Monat bin ich jetzt also wieder in Würzburg und alles in allem bin ich sehr schnell sehr gut wieder Zuhause angekommen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass Nordirland absolut die richtige Entscheidung war, die ich auch wieder treffen würde.
Ich wollte ein Jahr ins Ausland um fließend Englisch zu lernen. Letztendlich war ich ein halbes Jahr in einem Land, wo dich jeder auslacht, dem du erzählst, dass du hier Englisch lernen willst und du diejenigen auch erst wegen diesem sehr eigenartigen Akzent (wenigstens war es nicht dieses stocksteife Britisch!) nicht verstehst.
Mein Englisch wäre bei einem ganzen Jahr sicher besser geworden, aber dennoch habe ich mit der Zeit gemerkt, dass sechs Monate einfach das Richtige ist. Allein die Arbeit hat zwar Spaß gemacht, aber war nicht das, was ich eigentlich machen wollte. Jetzt habe ich noch ein halbes Jahr Zeit andere Dinge auszuprobieren, die ich auch fürs Studium in Erwägung ziehe.
Und natürlich war es eine Erfahrung wert eine neue Kultur kennen zu lernen und Teil davon zu werden und diese wunderschöne Landschaft und Städte zu erkunden, eben das Gesamtpaket.
Ich könnte jetzt noch Romane schreiben zu Land und Leuten, beschränke mich aber hier auf das Thema, um das ich die ganze Zeit einen großen Bogen gemacht habe.
Bei den meisten war „der Konflikt“ das naheliegenste bei dem Gedanken an Nordirland. Ich hab oft genug gemerkt, dass mein Kopf weder für Geschichte noch Politik gemacht ist und hab ehrlich gesagt bis jetzt keine Ahnung davon. Dennoch bekommt man natürlich mit in wie weit der Konflikt noch aktuell ist und jetzt kann ich sagen „sehr aktuell“.
Allein Äußerlichkeiten wie die Geschichte, die man bei Wikipedia nachlesen kann oder die Wandgemälde vermitteln einem einen groben Eindruck. Letzteres zeigt üblicherweise Persönlichkeiten, maskierte Männer mit Maschinengewehren und Bannern mit dem jeweiligen Namen der paramilitärischen Organisation oder prangern allgemein politische Situationen in der Welt an ganz normalen Wohnhäuser an, an denen man vorbeigeht.
Heute erschießen sich Katholiken und Protestanten vielleicht nicht mehr auf offener Straße, es gibt aber immer noch eigene Wohnviertel und Straßenzüge, sogar eigene Pubs. Delikte werden oft nicht der Polizei gemeldet, sondern intern von den paramilitärischen Organisationen geregelt. Jede Einrichtung und jedes Formular fragt nach „religiösem Hintergrund“.
Der Konflikt ist so in den Köpfen der Leute festgesetzt, dass er einfach selbstverständlich geworden und dadurch in den Hintergrund getreten ist. Trotzdem oder gerade deswegen wird man vielleicht unterbewusst, aber automatisch nach Name, Kirche, Wohnviertel oder Fußballverein, den man unterstützt sofort in eine Schublade gesteckt.
In Carrickfergus ergab sich noch nicht mal die Situation von „Katholiken gegen Protestanten“ weil es überwiegend protestantisch war, doch dort haben die unterschiedlichen protestantischen paramilitärischen Organisationen differiert. Irgendwo hab ich einfach den Überblick verloren und aufgegeben weil ich ein solches Maß an Abneigung einfach nicht begreifen konnte.
Bedenken oder Angst gerade als Katholik in einer protestantischen Gegend hatte ich aber nie denn als Ausländer ist man von der ganzen Angelegenheit vollkommen ausgenommen und die Leute dort sind wahrscheinlich mit die freundlichsten und nettesten, die man überhaupt treffen kann, egal ob im Supermarkt, um Zug oder im Pub!
Das wars. Vielen Dank an alle, die sich ernsthaft für meine Romane interessiert und sich die Mühe gemacht haben sie zu lesen!
Zum Abschluss hier noch ein kleiner Zusammenschnitt meiner sechs Monate in Nordirland! Viel Spaß beim Anschauen!
Cheers,
eure Anna