Freitag, 23. April 2010

Final Report


Seit einem Monat bin ich jetzt also wieder in Würzburg und alles in allem bin ich sehr schnell sehr gut wieder Zuhause angekommen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass Nordirland absolut die richtige Entscheidung war, die ich auch wieder treffen würde.

Ich wollte ein Jahr ins Ausland um fließend Englisch zu lernen. Letztendlich war ich ein halbes Jahr in einem Land, wo dich jeder auslacht, dem du erzählst, dass du hier Englisch lernen willst und du diejenigen auch erst wegen diesem sehr eigenartigen Akzent (wenigstens war es nicht dieses stocksteife Britisch!) nicht verstehst.

Mein Englisch wäre bei einem ganzen Jahr sicher besser geworden, aber dennoch habe ich mit der Zeit gemerkt, dass sechs Monate einfach das Richtige ist. Allein die Arbeit hat zwar Spaß gemacht, aber war nicht das, was ich eigentlich machen wollte. Jetzt habe ich noch ein halbes Jahr Zeit andere Dinge auszuprobieren, die ich auch fürs Studium in Erwägung ziehe.

Und natürlich war es eine Erfahrung wert eine neue Kultur kennen zu lernen und Teil davon zu werden und diese wunderschöne Landschaft und Städte zu erkunden, eben das Gesamtpaket.


Ich könnte jetzt noch Romane schreiben zu Land und Leuten, beschränke mich aber hier auf das Thema, um das ich die ganze Zeit einen großen Bogen gemacht habe.

Bei den meisten war „der Konflikt“ das naheliegenste bei dem Gedanken an Nordirland. Ich hab oft genug gemerkt, dass mein Kopf weder für Geschichte noch Politik gemacht ist und hab ehrlich gesagt bis jetzt keine Ahnung davon. Dennoch bekommt man natürlich mit in wie weit der Konflikt noch aktuell ist und jetzt kann ich sagen „sehr aktuell“.

Allein Äußerlichkeiten wie die Geschichte, die man bei
Wikipedia nachlesen kann oder die Wandgemälde vermitteln einem einen groben Eindruck. Letzteres zeigt üblicherweise Persönlichkeiten, maskierte Männer mit Maschinengewehren und Bannern mit dem jeweiligen Namen der paramilitärischen Organisation oder prangern allgemein politische Situationen in der Welt an ganz normalen Wohnhäuser an, an denen man vorbeigeht.

Wandgemälde in Londonderry, Belfast und Carrickfergus

Heute erschießen sich Katholiken und Protestanten vielleicht nicht mehr auf offener Straße, es gibt aber immer noch eigene Wohnviertel und Straßenzüge, sogar eigene Pubs. Delikte werden oft nicht der Polizei gemeldet, sondern intern von den paramilitärischen Organisationen geregelt. Jede Einrichtung und jedes Formular fragt nach „religiösem Hintergrund“.
Der Konflikt ist so in den Köpfen der Leute festgesetzt, dass er einfach selbstverständlich geworden und dadurch in den Hintergrund getreten ist. Trotzdem oder gerade deswegen wird man vielleicht unterbewusst, aber automatisch nach Name, Kirche, Wohnviertel oder Fußballverein, den man unterstützt sofort in eine Schublade gesteckt.
In Carrickfergus ergab sich noch nicht mal die Situation von „Katholiken gegen Protestanten“ weil es überwiegend protestantisch war, doch dort haben die unterschiedlichen protestantischen paramilitärischen Organisationen differiert. Irgendwo hab ich einfach den Überblick verloren und aufgegeben weil ich ein solches Maß an Abneigung einfach nicht begreifen konnte.
Bedenken oder Angst gerade als Katholik in einer protestantischen Gegend hatte ich aber nie denn als Ausländer ist man von der ganzen Angelegenheit vollkommen ausgenommen und die Leute dort sind wahrscheinlich mit die freundlichsten und nettesten, die man überhaupt treffen kann, egal ob im Supermarkt, um Zug oder im Pub!

Das wars. Vielen Dank an alle, die sich ernsthaft für meine Romane interessiert und sich die Mühe gemacht haben sie zu lesen!
Zum Abschluss hier noch ein kleiner Zusammenschnitt meiner sechs Monate in Nordirland! Viel Spaß beim Anschauen!

Cheers,
eure Anna

Dienstag, 23. März 2010

There's no place like home



(Von links nach rechts) Jana, Anna, Jutta, Mirjam, Erika und Paddy nach einem großartigen Tag im Pub!
Unter Anderem gab es Mirjams 20. Geburtstag zu feiern!


Im Handumdrehen waren die letzten zwei Wochen Arbeit nach den Ferien verflogen. Gerade weil ich wusste, dass ich bald fertig bin, habe ich das, was mir so schon Spaß gemacht hat, noch mehr genossen und das, was mir weniger lag, fiel mir genauso leicht wie der Rest.
An meinem letzten Arbeitstag habe ich dann noch Bekanntschaft mit einer merkwürdigen Tradition gemacht. Vorzugsweise an Geburtstagen oder vor der Hochzeit werden die betreffenden Personen an einen Laternenpfahl gebunden und mit hauptsächlich Eiern und Mehl überschüttet. In meinen Ohren klang das zuerst ziemlich grausam und zudem moralisch inakzeptabel Essen auf diese Weise zu verschwenden. Doch da mein Geburtstag im Juni ist und ich bis dahin nicht mehr da bin, hab ich von den Kids in Glenfield ein Abschiedsgeschenk der anderen Art bekommen und überraschender Weise hat es sich als enormer Spaß herausgestellt – wenn man mitspielt. (Leider hab ich davon bis jetzt noch keine Bilder.)
Ich werde den Blick von Erika nie vergessen, als sie mir die Tür aufgemacht hat und ich mit Eiern, Mehl, Honig, Chutney, Dosen-Gerichten und Limonade getränkt und in zwei großen Mülltüten für den Transport im Auto eingepackt vor der Tür stand. Nach einer langen Dusche und einer gründlichen Wäsche von Kleidung und Schuhen war aber bis auf ein paar verstreuten Eierschalen von meinem „Geschenk“ nichts mehr zu sehen. Ich war nur froh, dass ich keine Dreads mehr hatte, denn sonst hätte ich mir wahrscheinlich den Kopf rasieren müssen.

Am nächsten Wochenende war ich dann noch ein letztes Mal Shopping in Belfast mit Erika und Mirjam und am Samstagabend hatten wir bei Jana und Paddy unser erstes BBQ dieses Jahr.

Die darauf folgende Woche war mein EVS offiziell zwar schon vorbei, da aber Jana und Paddy das Wochenende darauf heirateten und ich eingeladen war, blieb ich noch bis zur Hochzeit.

Genug zu tun hatte ich aber trotzdem noch und war eigentlich die ganze Woche beschäftigt mit Abschlussberichten, Hochzeitsgeschenk, Jana bei Kuchendeko und Tischkärtchen helfen und ihren Junggesellinnenabschied vorbereiten. Den feierten wir in unserm EVS-Haus, waren zuerst aus für Dinner, nahmen dann eine CD auf und vertrieben uns den restlichen Abend mit diversen Spielchen.


Erika und Jana am Singen... oder beim Versuch =P

Am Samstag war dann der große Tag! Wir haben uns alle schön schick gemacht und waren ganz gespannt. Der Gottesdienst und auch die Reden vor dem Essen waren zweisprachig, was u.a. den Pfarrer vor einige Herausforderungen stellte und für alle Deutschen ziemlich amüsant war. Das Dinner und die Party danach mit allen war der absolute Hammer und für mich der perfekte Abschluss für meinen Aufenthalt in Nordirland!

Erika und ich mit der Braut

Alle EVS-Freiwilligen vom Carrickfergus YMCA 09/10 (von links nach rechts): Anna, Erika, Mirjam und Jutta

Der Bräutigam und ich zu später Stunde XP

Am Sonntag musste ich mich die große Pack-Hürde überwinden, die ich zuvor erfolgreich vor mir hergeschoben habe und als unglaublicherweise wirklich alles in der Tasche verstaut war, kamen noch ein paar Leute und sogar Jana und Paddy für ein gemütliches Nachmittags-Sit-in bei uns im Wohnzimmer vorbei, was mich total gefreut hat und wirklich schön war.
Am Montag verabschiedete ich mich von meinen Mitbewohnern bevor sie auf Arbeit verschwanden, so dass ich noch ein paar Stunden allein im Haus hatte, die ich mit der tollen Gitarre verbracht habe. Irgendwann kamen dann Jana und Paddy vorbei und holten mich ab. Jana hatte mir schon vor längerem den Vorschlag gemacht, mich mit nach Dublin zu nehmen, wenn ich einen Flug zur passenden Zeit bekomme wenn sie auf Flitterwochen fliegen und das hat geklappt. Ich war total froh, denn als ich mit Lena im Bus nach Dublin saß und mir vorstellte, in ein paar Wochen in dem gleichen Bus alleine auf meinem Weg zum Flughafen zu sitzen, ist mir schlecht geworden.

Am Flughafen gab es dann noch ein kleines Drama wegen einer übergewichtigen Tasche (ich hatte wohl doch etwas zu gut gepackt und vor allem zu viel geshoppt) und keinem Duty free im Duty-free-shop (weil es das nur noch gibt, wenn man außerhalb von Europa fliegt, hallo?!). Von Jana und Paddy musste ich mich dann aus Zeitnot leider ziemlich knapp verabschieden und saß dann auch schon in meinem Flieger nach Frankfurt.


Jetzt bin ich seit einer Woche wohlbehalten zurück in der Heimat, denke immer noch viel und gerne an Nordirland, genieße aber einfach meine Zeit hier, das schöne Frühlingswetter (das wir überraschenderweise die letzten Wochen im Norden aber auch hatten), Spaziergänge an meinem lang ersehnten Main, den einfach kein Meer ersetzen konnte, Family and Friends und WÜRZBURG!

Und es stellt sich natürlich auch die große Frage, was ich denn jetzt mache. Nachdem ich nur ein halbes Jahr weg war und die meisten Studiengänge, die mich interessieren, im Wintersemester anfangen, werde ich bis dahin noch in Würzburg bleiben und ein bisschen Erfahrungen mit Praktika im Bereich Geo/Umwelt/Forschung sammeln und sehen, ob das das Richtige für mich ist.
Außerdem genieße ich natürlich auch noch die verbleibende Zeit in meiner Heimatstadt mit Freunden und im Hotel Mama =D

Mittwoch, 24. Februar 2010

Holidays


Wie schon erwähnt hatten wir letzte Woche Mid-Term-Break und Lena, die gerade ein EVS in Italien macht, kam mich besuchen.

Am Freitag hab ich sie aus Belfast abgeholt und am selben Abend saßen wir mit Jana und Erika im Auto auf dem Weg zu einem Cottage in der Nähe von Bushmills.


Schon auf der Fahrt war Italienisch die dominierende Sprache. Erika konnte endlich jemanden alles fragen, was sie bisher nicht verstanden hatte und das war so viel, dass es für das ganze Wochenende reichen sollte =)

Am gleichen Abend stand nach einem kleinen Zweifelsdrama auch schon der erste Programmpunkt „Dreads ab“ an. Ich hab schon lange immer wieder überlegt gehabt sie abzuschneiden und es dann natürlich gelassen. Lenas Besuch war aber ein schöner Anlass, da sie die Dreads mit einer Freundin gemacht hat und es daher passte, dass sie sie auch abschneidet. Außerdem gefiel mir die Idee, den Filz hier zu lassen und mit etwas Veränderung wieder nach Deutschland zu kommen. Nebenbei hätte es mir dort jeder ausgeredet und ich wusste, ich würde keinen weiteren Sommer mit der Matte auf dem Kopf überleben.


Da die losen Haare an den Ansätzen nicht so lang waren wie gehofft, musste Lena kleine Mini-Dreads schneiden und die dann rauskämmen. Das waren Schmerzen. Und obwohl ich meine Dreads immer gut gepflegt, sie gewaschen, neu gehäkelt und verfilzt hab, hat sich doch ganz schön was auf meinem Kopf gesammelt und die erste Wäsche danach war dafür umso erfrischender. Seit eineinhalb Jahren hatte ich keinen Schaum mehr im Haar, Wahnsinn! Jetzt würde ich am liebsten in die Dusche ziehen!

Am nächsten Tag lockte uns herrlichstes Kaiserwetter nach draußen und mit dem Auto klapperten wir die nahe gelegenen Sehenswürdigkeiten Giant’s Causeway und Dunluce Castle ab.

Lena und Ich auf dem Giant's Causeway

Dunluce Castle ...

... und die Aussicht. Also da hätte ich mir auch eine Burg gebaut.

Den Abend verbrachten wir am Strand, wo wir die letzten Strahlen Sonne knapp verpassten, dann aber bei einem Bier den schönen Blick genossen.


Zurück im Cottage verpasste mir Lena noch einen anständigen Haarschnitt indem sie alle längeren Haare, die schon vorher aus den Dreads raushangen auf die gleiche Länge schnitt. Den ganzen Tag bin ich bin den Flusen rumgerannt, was mir aber egal war, da ich mich mit den kurzen Haaren einfach so schon pudelwohl fühlte und meine Finger einfach nicht von meinem Kopf lassen konnte.

Wir hatten mit unserem Programm perfektes Timing, denn schon am nächsten Tag war vom pausenlosen Sonnenschein keine Spur mehr und auf unserm Weg zur Destillerie in Bushmills schüttete es schon wieder wie aus Eimern.
Wir bekamen eine tolle Führung durch die älteste Whiskey-Destillerie der Welt und eine kleine Kostprobe am Ende war auch noch drin. Nach nichts als dem Frühstück am Morgen zeigte die auch ihre Wirkung und unsere Heiterkeit am Nachmittag war nicht das letzte Mal für diesen Urlaub…
Im Shop hab ich dann noch ein tolles T-Shirt, ein paar stylische Gläser und natürlich eine Flasche Whiskey mitgenommen.

Sonntagabend waren wir zurück in Carrick und am Montag ging es bei wieder gutem Wetter nach Belfast. Nach einem Bummel durch die Stadt landeten wir zum Abschluss auf ein Guinness im ältesten Pub Belfasts, der Crown-Bar.

City Hall Belfast und dahinter das Belfast Wheel bei Sonnenschein!

Lena bei eim Postkarten schreiben und einem Guinness in der Crown-Bar

Der Dienstag wurde mit einem deftigen, typisch Nordirischen Frühstück, einem Ulster Fry gestartet und danach erkundeten wir das Castle in Carrick.
Da wir in der Tourist Information erfahren haben, da im Ulster Museum gerade auch eine gute Ausstellung über die Troubles (Nordirlandkonflikt) ist, waren wir am Mittwoche wieder auf dem Weg nach Belfast und haben uns dort auch die direkt beim Museum gelegenen Botanischen Gärten und Queen’s University angesehen.

Queen's University Belfast

Der Pub des Abends (eher Nachmittags =D) war diesmal das Garrick, wo es auch mein geliebtes Kilkenny gibt.

Die letzten drei Tage unseres Urlaubs verbrachten wir in der Hauptstadt der Republik, Dublin.
Mit Tipps von Freunden und Wikipedia-Seiten ausgestattet stellten wir uns ein Programm zusammen und fanden auch ein schönes Hostel im Zentrum der Altstadt zum Übernachten.
Mittags im Kinley-House angekommen zogen wir bei gutem Wetter gleich los zum Guinness-Storehouse. Spiralförmig ging die Tour Stockwerk um Stockwerk nach oben und in der Gravity-Bar mit 360°-Blick über Dublin angekommen wussten wir so ziemlich alles über die Herstellung des weltberühmten Bieres und haben sogar ein Zertifikat ein perfektes Pint zapfen zu können (Guinness wird nämlich ganz speziell ausgeschenkt) bekommen!

Lena mit dem Pachtvertrag, den Arthur Guinness für die Dubliner St. James's Gate Brauerei über 9000 Jahre abschloss.

Lena zapft ein Guinness.

Trotz der 11€ Eintritt hat es sich wirklich gelohnt und ein Bier zum Schluss gab es natürlich auch.


Den Abend haben wir dann im ältesten Pub Dublins, O'Donoghue's, bei einem frisch gezapften und sehr teurem Kilkenny und Live-Musik ausklingen lassen.


Nach einer guten ersten Nacht im 24-Bett Zimmer gemischt und guten Wetter starteten wir unsere „To See“-Liste abzuhaken und klapperten Dublin Castle, Halfpennybridge, Stadtpark St. Stephen’s Green, Regierungsgebäude und Trinity-College ab. In letzterem zahlten wir wieder einen unverschämten Eintritt für die Bibliothek, die wir uns aber nicht entgehen lassen wollten. Neben dem eindrucksvollen 64 Meter langem „Long Room“, in dem mehr als 200000 alte Bücher aufbewahrt werden, beinhaltet sie auch das berühmte „Book of Kells“ (illustrierte lateinische Niederschrift der vier Evangelien von ca. 800) und die älteste Harfe Irlands.

Nach einer langen Mittagspause verschlug es uns dann auf die andere Seite der Liffey, wo die Hauptstraße O’Connell Street mit vielen Geschäften und dem Dublin Spire wartete.

Dublin Spire in der O'Connell Street

Wegen der allgemein sehr hohen Preise und ein bisschen Shopping zuvor entschieden wir uns den letzten Abend im Hostel mit zwei Dosen Irish Cider zu verbringen und sind dann erschöpft einfach früh ins Bett gegangen, da Lena ja auch am nächsten Morgen ihren Flug zurück nach Italien bekommen musste.


Bei wunderschönem Wetter zogen wir dann das letzte Mal durch die Stadt zur Bushaltestelle, wo ich in den Goldline-Express nach Belfast und Lena in den Shuttlebus zum Flughafen stieg.
Die Woche hat uns beiden sehr gut getan, einfach weil wir dem Alltag entfliehen konnten und natürlich weil wir uns gesehen haben und es eben doch einen Unterschied macht mit Freunden zusammen zu sein, die einen seit ein paar Monaten kennen oder eben schon seit ein paar Jährchen =D

Dienstag, 9. Februar 2010

Time is running out


Nach drei Tagen am Flughafen kam Erika letztendlich am 9. Februar. Wegen Schneechaos wurde ein Flug nach dem andern gestrichen, so dass sie in Rom festsaß.
Endlich angekommen hat sie aber schon vom ersten Tag an richtig Farbe in unser Haus gebracht. Nicht nur, dass wir vorher zwei Deutsche waren und jetzt eben eine Italienerin bei uns wohnt, sondern eine ganze neue Kultur schafft einfach eine komplett andere Atmosphäre und Stimmung im Haus. Sei es die Sprache, die man nicht versteht, wenn sie nebenan mit ihrer Familie oder Freunden telefoniert (klingt ausnahmslos immer als ob sie diskutieren und das sehr laut), die Gestik beim Sprechen, der andere Akzent im Englisch oder die Musik wenn sie ein durch das ganze Haus unverschämt gut riechendes Essen kocht und mitsingt. Und unser Zuhause wird endlich auch dem Namen des „International House“ gerecht.

Nach unserem ersten Housemeeting mit Erika bin ich spontan mit Jana und Paddy zu einem Day-Trip losgezogen. Das Wetter war einfach zu gut, also haben wir in einem Reiseführer eine schöne Küste ausgesucht, sind die mit dem Auto abgefahren und ausgestiegen, wann immer es was Lohnenswertes zu sehen gab.



Hungrig zurück in Carrick hat Erika für uns alle echte Italienische Pizza gekocht mit selbstgemachtem Teig und allem natürlich. Der restliche Abend endete dann mit ein paar Bier, einer Flasche Tequila und Poker. Kein weiterer Kommentar =D

Vom 29. bis 31. Januar war ich dann von Bob (meinem Chef) zu einem RAPP-Wochenende eingeladen. RAPP steht für „Reconciliation and Peace Peer“, was ich nicht wirklich in anständiges Deutsch übersetzen kann, aber soviel bedeutet, dass an diesen Wochenenden in Sitzungen und Aktivitäten Themen wie z.B. Konfliktbewältigung, Kommunikation, Vermittlung und Gruppenleitung behandelt werden.
Da auch viele Teenager aus Glenfield, mit denen ich arbeite dabei sind und ich auch ein Zertifikat über den Kurs erhalten kann, dachte Bob, es wäre gut, mich dabei zu haben und obwohl ich keine große Lust hatte, weil ich nicht wirklich wusste, was auf mich zukam, sagte ich zu. Ich weiß nicht, ob ich Ja gesagt hätte, wenn ich gewusst hätte, wie mein Wochenende genau aussehen sollte.

Ich landete spät am Abend nach drei Stunden Fahrt im Minibus durch den Schnee in Donegal, einem kleinen Städtchen in Irland (nicht Nordirland und meine Euros hatte ich natürlich Zuhause gelassen…), genauer im Outdoor Education Centre an einem hübschen See Mitten in der Natur!

Nach den ersten Einheiten wurden wir dann für die Outdoor-Activities den ganzen Samstag in zwei Teams eingeteilt und mussten Aufgaben bewältigen um Punkte zu sammeln, für die wir am Ende Zubehör für unser Floß eintauschen konnten. Bei dem Wort „Floß“ wurde ich zum ersten Mal stutzig, es schneite ja immerhin und war saukalt, aber gut. Ich dachte, falls es ernst wird, bist du immer noch ein Leader und kannst Nein sagen. Da hatte ich mich deftig getäuscht, denn selbst Bob machte wirklich alles mit von Bogenschießen über Klettern und als wir dann wirklich ein Floß gebaut haben und die Leitung was von Wechselkleidung erwähnt hat, wurde mir ein bisschen schlecht.


Mein Team, links neben mir mein Chef Bob

Nach zwei weiteren Aufgaben im Wald hatten wir genügend Punkte um fast der ganzen Crew Neoprenanzüge zu kaufen und vier Paddel. Da aus jedem Team schon ein Teenager einen Rückzieher gemacht hat und es dafür schweren Punkteabzug gab, gab es auch für das bevorstehende Rennen kein Zurück mehr für mich.

Eine der Aufgaben: Ziel war es selbstständig auf drei Fässer zu klettern, die hochgereicht wurden und 10 Sekunden auf dem Dritten stehen zu bleiben. Nicht so einfach, wie es sich anhört...

Ready Steady Go!


Mein Team glücklich wieder auf festem Boden!

Auch wenn ich vor jeder Aufgabe „Will ich nicht, kann ich nicht, mach ich nicht!“ gesagt habe und mich dann selbst überrascht habe, war das Floßrennen am Ende in einem dezent kalten See wohl mit das Verrückteste, was ich je gemacht habe und seine Erfahrung wert!

Nach einem langen Schlaf hatten wir dann am Montagmittag Lunch mit allen Mitarbeitern aus Woodburn, weil es dort an Weihnachten nichts dergleichen gab. Jutta fragte beim Essen nach einem guten Friseur in der Nähe, weil sie ihre gefärbten Spitzen loswerden wollte und einen neuen Schnitt und ich bot ihr spontan an, das zu übernehmen. Wenn es nichts wurde, konnte sie ja immer noch zum Friseur, sagte ich.

Vielleicht war ich nach dem Wochenende der Meinung ich könnte alles oder ich war davon überzeugt, dass ich das Können geerbt hatte (meine Großeltern waren Friseure), aber am gleichen Abend wurde Jutta dann ganz spontan und mit einem Gläschen Wein zur Inspiration (die Künstler ja brauchen) ein neuer Look verpasst und der konnte sich sehen lassen!

Um ihre neue Frisur auszutragen sind wir dann mit ihrer Schwester, die für eine Woche zu Besuch da war und Erika in einen Pub, wo es nicht lange gedauert hat, bis wir Gesellschaft hatten.

Dazu muss man wissen, dass man hier nicht weggehen kann und den ganzen Abend seine Ruhe hat. Man wird immer angesprochen, egal mit welcher Begleitung, egal von wem oder wie vielen. Was in Deutschland zur Flucht führen würde, führt hier eigentlich immer zu einem einfachen Gespräch. Da es ziemlich ungewöhnlich ist internationalen Besuch in der Bar zu haben, sind die Leute hier einfach nur interessiert, wollen sich gut unterhalten und sich austauschen, ohne jegliche Hintergedanken.
Im Falle dieses Abends wurden uns aber nebenbei noch die Drinks bezahlt =D



Als ob nicht alles schon schnell genug gehen würden, stand letzten Sonntag auch schon Mirjam aus Wössingen in der Nähe von Karlsruhe vor der Tür. Erika hat für alle Pasta gekocht und Jana und Paddy kamen zu Besuch um die neue Freiwillige kennen zu lernen.

Nächste Woche sind Halbjahr-Ferien hier und Lena kommt mich besuchen. Sie macht gerade ein EVS in Italien und mit ihr entfliehen Jana, Erika und ich über das Wochenende in ein Cottage in Bushmills und werden von dort aus ein paar Sehenswürdigkeiten abklappern, die in der Nähe sind (u.a. Giant’s Causeway), aber dazu mehr das nächste Mal…

Dienstag, 5. Januar 2010

Merry Christmas & A Happy New Year!


Obwohl ich jedes Jahr versuche, die Bäume und Lichter in den Straßen und das viel zu früh angebotene Sortiment in den Supermärkten zu ignorieren, ist es doch unmöglich Weihnachten auf Dauer zu entkommen.
Nach den ersten selbst gebackenen Plätzchen und dem Duft im aufgeheizten Haus, hat mich der echte Nürnberger „Gluhwien“ beim deutschen Zelt auf dem Weihnachtsmarkt, über den wir bei einer Kneipentour in Belfast einen kurzen Abstecher gemacht haben, vollends in Weihnachtsstimmung katapultiert!

Meine letzte Arbeitswoche bestand so gut wie ausschließlich aus Christmas-Dinners. Mo hat in Glenfield mit jeder Gruppe etwas Besonderes vor Weihnachten geplant, so dass wir dann mit den Teenagern in Belfast Bowling und mit den Müttern und Kids vom Coffee-Morning frühstücken waren. Nach dem Weihnachtsessen mit allen Mitarbeitern hat er sogar kostenlos Kino mit Popcorn und Coke rausgeschlagen!


Am letzten Sonntag vor Weihnachten landete ich dann „Stille Nacht, Heilige Nacht“-singend mit Juttas Mutter, die auch über Weihnachten zu Besuch kam und Jana auf der Bühne in der Gateway-Church, da die Bandleitung der Gemeinde unbedingt „Silent Night“ auf Deutsch beibringen wollte (was auch einigermaßen gut geklappt hat)!

Die Band der Gateway-Church mit Leitung Keith and der Gitarre, Gaststars (von links nach rechts): Anna Willmann, Dagmar Kindzorra und Jana Hölschke!

Natürlich stand die Überlegung im Raum über Weihnachten nach Hause zu fliegen und mit der Familie zu verbringen. Mir wurde aber geraten bei einem Aufenthalt von sechs Monaten keinen Heimatbesuch einzulegen, da es schwer werden würde, wieder zurück zu fliegen und ich meine letzten Monate vielleicht gar nicht mehr genießen kann, da ich nur noch wieder nach Hause will.

Also habe ich beschlossen Weihnachten in Nordirland zu verbringen und habe mit meiner Schwester ein Stück Familie zu mir geholt!
Vera kam am 22. Dezember und blieb fast ihre ganzen Ferien bis zum 3. Januar.


Der 24. Dezember wird hier nicht als Heilig Abend gefeiert. Auch wir hatten einen bescheidenen Christmas Eve ohne Geschenke, aber mit Baum und gewöhnlich einfacher Küche, Irish Stew.
Weihnachten selbst fängt dann erst am 25. Dezember an mit Geschenken am Morgen und allem drum und dran. Vera und ich haben uns an einen Truthahn gewagt, den es hier traditionell an Christmas Day gibt. Es war ein ziemliches Abenteuer auf absolut unbekanntem Gebiet, wir hatten aber großen Spaß und das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen!

Unser Christmas-Turkey mit Gemüse nach Jamie Oliver =)

Silvester war bis zum Schluss ein großes Fragezeichen. Da meine Mitbewohnerin Jutta mit ihrer Familie in Wales war, hatten wir zwar das Haus für uns, aber keine großen Partypläne. Für Diskos und Pubs war Vera mit 17 zu jung, das große Feuerwerk und Konzert in Belfast wurde abgesagt und Feuerwerkskörper selber zünden ist in Nordirland verboten. Ich war am Boden zerstört.

Letztendlich gab es dann bei Jana und Paddy eine kleine Houseparty. Wir waren zu acht, haben uns unterhalten oder uns an der Playstation mit Buzz und Singstar vergnügt, so dass wir noch nicht mal gemerkt haben, als es Mitternacht war. Es war für New Year’s ein etwas ruhiger, aber sehr schöner Abend.


Den Rest der Zeit haben wir mit zwei Shopping-Touren in Belfast, Spaziergängen zu meinen Arbeitsstellen, Kino und Faulenzertagen nach einen buchstäblich schlechtem Bauchgefühl nach einer Portion Fish & Chips verbracht.


Shopping in Belfast im Victoria Square Shopping Centre

Das Highlight war jedoch der Ausflug zum Giant’s Causeway, dem einzigen Weltkulturerbe in Nordirland und durchaus sehenswert! Wir hatten Glück mit dem Wetter, hatten zwar keine Sonne, aber es hat nicht geregnet und wir hatten eine unglaublich weite Sicht, bei der die Küstenlandschaft noch faszinierender als die Basaltsäulen war!


Vera auf dem Giant's Causeway. Wir hatten krassen Wind an der Küste!

Nordirische Küste wie aus dem Bilderbuch!


Ab nächsten Donnerstag, 7. Januar stehen ein paar Veränderungen an. Wir bekommen nämlich Verstärkung aus Italien und Erika zieht als dritte Freiwillige bei uns ein! Auch haben wir gestern erfahren, dass der Antrag von Miriam aus Deutschland genehmigt wurde. Sie kommt im Februar, so dass wir für kurze Zeit überbesetzt sind, bevor sie dann ganz meine Nachfolge übernimmt, wenn ich im März wieder nach Hause fliege.