Freitag, 11. September 2009

By the way


Pubs

Die gibt es hier wirklich an jeder Ecke und vorgestern hab ich den ersten auch von innen gesehen.
Ich war zwar von sämtlichen Einführungsvorträgen komplett geschafft, ließ mir den Abend aber trotzdem nicht nehmen. Jana hat mich abgeholt und wir zogen los.

Eigentlich sollte ja eine Live-Band spielen (was hier sehr gewöhnlich ist, aber nicht unbedingt qualitativ gut, da irgendwelche regionalen Bands aus Carrick selbst oder Umgebung eingeladen werden), die aber wegen eines Nordirland-Fußballspiels ausfiel. Also saßen wir bei einem Guinness und einem Becks in einer Ecke ohne Fernseher umgeben von Iren, die aufgeregt und laut das Spiel verfolgten. Nordirland hat verloren, keine Ahnung gegen wen. Wenn sie gewonnen hätten, hätten wir wahrscheinlich danach keine normale Unterhaltung mehr führen können.

Die Atmosphäre war super! Es saßen Leute von jung bis alt mit ihrem Bier zusammen, haben gelacht, sich unterhalten und auf dem Platz zur Musik bewegt. Nach dem Fußballspiel dröhnte die durch einen der riesigen Lautsprecher. Es war eher Chart/Party/Dance/… (u.a. Kings of Leon & Pink), keine traditionelle irische Volksmusik oder so. Aber ich bin schon auf die erste Band gespannt, die ich dann sehen werde.

Der Abend war sehr schön! Das lag aber auch einfach daran, dass Jana und ich feststellten, dass wir irgendwie auf einer Wellenlänge sind und uns total mögen. „Schade“ war nur, dass wir uns nur auf Deutsch unterhalten haben, aber sonst wäre so ein Gespräch wahrscheinlich gar nicht zustande gekommen.


Wetter

Ich habe scheinbar gutes Wetter mitgebracht! Als ich in Dublin gelandet bin, hat es natürlich geregnet. Auf der Busfahrt nach Belfast hat es geregnet und in Carrick war es immer noch nass. Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin schien die Sonne. Ich hab Morgensonne in meinem Zimmer, total schön! Und morgens scheint sie meistens noch, bevor dann über (Nach-) Mittag der Regen kommt. Davon ist bis jetzt jedoch nicht viel zu sehen. Es ist relativ warm und wir haben strahlenden Sonnenschein, ab und zu ein paar Wolken, gegen Abend ist auch alles zu, aber es regnet nicht und das bedeutet in Irland: Gutes Wetter. Gerade haben wir SEHR gutes Wetter!
Der September soll hier auch der schönste Monat sein mit am meisten Sonne und am wenigsten Regen.

Sprache

Ehrlich gesagt kann ich mit diesem so sonderbaren „Akzent“ nicht viel anfangen. Die Leute reden hier normales Englisch, was eben manchmal komisch ausgesprochen wird. Wenn ich Leute gar nicht verstehe, dann liegt das daran, dass sie zu schnell reden oder sehr nuscheln. Es bemühen sich aber eigentlich alle, mit denen wir zu tun haben, langsam und deutlich zu reden. Jeanie (die Leitung von Woodburn) hat gestern auch den Kindern gesagt, dass sie uns mit dem Englisch helfen sollen, was auch ganz gut klappt.


YMCA

Der YMCA unterscheidet sich hier etwas vom deutschen CVJM, was die christliche Arbeit angeht. Während der CVJM für uns eine richtige Gemeinde mit Jugendgruppen, Mitarbeiterkreisen, Gottesdiensten, „Glaubt an Jesus!“ etc ist, ist der YMCA ein offenes Jugendhaus, das den Glauben nur durch Vorbildfunktion und Lebensstil ausdrückt. Bibelgruppen und dergleichen gibt es für Interessierte in manchen Projekten.


Arbeit

Der YMCA hier ist direkt ums Eck. Arbeiten tun wir dort jedoch nur abends in der Area 51, dem Jugendzentrum.

Unsere hauptsächliche Arbeit dreht sich um das PAKT-Projekt (Parents and Kids Together). Die Programme sind darauf angelegt, Menschen verschiedener Herkünfte, Hintergründe etc zusammenzubringen und Programme für Eltern, Kinder und beide zusammen anzubieten, möglichst in Zusammenarbeit mit den Eltern.

Es gibt die Stellen Glenfield und Woodburn, die sich in Zielgruppen und Arbeitsstruktur etwas unterscheiden.

Gestern waren wir in Woodburn beim After-Schcool-Club, wo die Kids ihre Hausaufgaben gemacht haben und danach ein paar Spiele gespielt wurden. War eigentlich ganz gechillt.


Abends ging es dann in die Area 51. Der Abend war sehr lässig weil einfach keine Teenager kamen. Also sind wir mit Emma und Jackie (eine andere Freiwillige von hier) zu McDonalds gelaufen und haben ein Eis gegessen und sehr viel gelacht, was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.


Humor

Ich wurde vorgewarnt, dass der Humor in Nordirland dem Englischen sehr ähnlich ist: sarkastisch, ironisch, trocken, liebenswert.

Ich muss sagen, dass ich da ziemlich gut reinpasse, da ich meistens verstehe, wie was gemeint ist und auch darüber lachen kann (findet ja nicht jeder lustig, auch wenn er es versteht).


Essen

Bis jetzt hab ich noch keine Bekanntschaft mit der Nordirländischen Küche gemacht, nur Jutta mit dem Rauchmelder in unserer =)

Wir haben bis jetzt immer gekocht und waren einkaufen bei TESCO, einem riesengroßen Supermarkt ähnlich Real direkt ums Eck. Ich hab mir auch gleich eine Club-Card (entspricht ungefähr Payback. Grüße an meine Mom an dieser Stelle =D) zugelegt.

Bim Einkaufen ist uns schnell aufgefallen, dass es sehr viel fettreduzierte, als auch Diät- und Bio-Produkte gibt, was ich total super finde!

Sehr gut ist hier wirklich der Tee während mein Kaffee-Herz leidet. Es gibt Kaffee nur zum anrühren, keinen richtigen. Tee dagegen -besser gesagt, schwarzen Tee- gibt es hier in sämtlichen Ausführungen. Für uns „normalen“ Tee mit Früchten, Kräutern etc ist hier „special tea“ in sparsamer Auswahl und auch etwas teurer. Trotzdem löst er im Vergleich zu unserem nicht nur eine Geschmacksexplosion aus, sondern ist auch viel stärker und fast blickdicht in der Tasse.

Ich denke, ich gewöhne mich daran. Eigentlich bin ich jetzt schon Fan =D


Unterhaltung & Freizeit

Da bin ich gut ausgestattet. Wir haben einen Fernseher, den wir gestern sogar mal ausprobiert haben. Er hat nicht viele Programme und zeigt meistens nur Schrott. Wir sind dann bei Without a Trace und The Mentalist hängen geblieben. Danach war Schluss.

Der Hauscomputer hatte Boxen, die ich mir auf Vorschlag von Jutta geklaut habe, so dass ich über meinen Laptop super Musik hören oder Serien im Internet schauen kann.

Wenn wir Lust auf Kino bekommen sollten, bietet uns Carrick da auch eine Gelegenheit. Wir haben hier nämlich auch ein Cinema mit sechs Sälen!

Daneben gibt es auch ein Schwimmbad, wo wir wahrscheinlich auch mal mit den Kindern als Programmpunkt hingehen.

Ansonsten haben wir noch nicht viel ausfindig gemacht, was auch nicht nötig ist, da die ersten Tage viel zu spannend sind um sich abzulenken!

Mittwoch, 9. September 2009

Settle in


Das erste Mal alleine fliegen, den Bus von Dublin nach Belfast ausfindig machen, angekommen mit Bob (meinem Chef), der weit und breit nicht zu sehen war, auf Englisch zu telefonieren und dann abgeholt zu werden, hat prima geklappt.
Wir fuhren direkt zu meinem neuen Zuhause, ein kleines Haus in Carrickfergus. Das Beste dabei war, dass Bob es tatsächlich geschafft hat, auf der falschen Straßenseite zu fahren und angehupt wurde!
Mit ihm konnte ich mich ganz gut unterhalten, da er aus England kommt und keinen nordirischen Akzent hat.
Mein neues Zimmer musste ich erst mal ein bisschen umstellen und putzen (ja, ICH musste putzen!) bevor ich einräumen konnte, da überall noch irgendwelche Krimskramssachen von ehemaligen Freiwilligen in den Schubladen rumflogen, alles dreckig war oder geklebt hat.
Die schönste Entdeckung war eine verdammt gut klingende Gitarre (die jetzt auch mein Zimmer schmückt), da ich aus Gepäckgründen meine Ukulele zu Hause lassen musste.

Bilder vom Haus:

Erdgeschoss: Unsere Küche Pt 1

Unsere Küche Pt 2
mit meiner Mitbewohnerin Jutta
und der Tür zum Innenhof

Im Flur geradeaus: Wohnzimmer
Elektrokamin, Fernseher, DVD und Couch. Gerade dient es als Wäscheraum, da alle rumfliegenden Handtücher und ein paar von Juttas Klamotten gleich gewaschen wurden.


Die Treppe hoch und rechts: Unser Badezimmer

Einmal die Treppe hoch und geradeaus: Mein Zimmer Pt 1
Ihr wisst nicht wie es vorher aussah!

Mein Zimmer Pt 2
Großes Bett!!! und geile Gitarre =D



Jutta, meine Mitbewohnerin aus Berlin, hat mich
am Abend bekocht und wir bekamen Besuch von Jana. Sie war vor drei Jahren Freiwillige aus Deutschland, lebt seitdem hier und ist unsere Tutorin. Nachdem sie mich erst mal kräftig auf den Arm genommen hat, indem sie so getan hat, als ob sie gar nicht aus Deutschland käme und ich auf Englisch rumgestammelt habe, haben wir noch einen netten Abend verbracht. Die Internetverbindung wurde in Gang gesetzt, meinen entsetzliche Töne von sich gebender Radiowecker eingestellt und viel gelacht.

Nach der ersten Nacht im neuen Bett, in dem ich hervorragend geschlafen habe, wurden wir von Jana und Emma abgeholt. Emma ist die Chefin des Jugendzentrums, hat die pinke Bettwäsche für uns gekauft („Es kommen doch zwei Mädchen!“) und ist sehr nett, fröhlich und vom Englischen für mich auch gut verständlich.

Wir liefen zum YMCA und ließen uns alles zeigen. Danach wurden ein paar organisatorische Dinge geregelt und es folgte ein Vortrag zur Einführung in unsere Arbeit. In erster Linie ging es um den Umgang mit den Jugendlichen, Ernstfälle und dass wir im Falle des Falles "TELL the person who is in charge" (kam ungefähr 350000 Mal vor).


Im Anschluss fuhren wir nach Glenfield, einem Viertel von Carrickfergus und hauptsächlich meiner neuen Arbeitsstelle. Vor Maurice, der dortigen Leitung, wurden wir schon im Voraus gewarnt, weil er „mad“ sei und wegen seines Akzents.

Er hat sich große Mühe gegeben sich verständlich zu geben, hat für seine Verhältnisse unglaublich langsam geredet und trotzdem viele Witze gerissen. Es kamen auch ein paar Jugendliche (alle in Schuluniform hier) vorbei und innerhalb einer Sekunde war der Lärmpegel im roten Bereich. Ab da hab ich dann auch vom Englischen nichts mehr verstanden =)

Maurice hat uns dann noch ausdrücklich gesagt, dass es bei unsere Arbeit in erster Linie um Spaß geht, dass wir die Zeit genießen sollen und sofort Bescheid sagen sollen, wenn IRGENDwas ist. War gut zu hören. Der Typ war auch saucool, wird bestimmt super, mit ihm zu arbeiten! Ich freu mich schon!

Danach ging es gleich weiter nach Woodburn, wo Jutta vorwiegend arbeiten wird. Wir wurden wieder bekannt gemacht und uns wurde alles gezeigt.


Jetzt chillen wir noch ein bisschen und dann geht es wahrscheinlich mit Jana zum ersten Mal in einen Pub mit irischer Live-Musik. Ich bin total ko, freue mich aber trotzdem schon riesig und bin total gespannt auf Musik und Bier!

Montag, 7. September 2009

Ready for take off!


Wenn ich jetzt in meinem Kalender den August noch mal betrachte sind gerade die Tage der letzten Wochen gut gefüllt. Die meisten Termine starten mit dem Wort Abschied. Abschiedsgrillen, Abschiedsparty, Abschied von ...

In Mitten des ganzen Abschiednehmens haben Franzi und ich uns auf das kleine Abenteuer Jakobsweg begeben. Fünf Tage sich fallen lassen, wenig, schlechter Schlaf auf hartem Boden, erfrischende Gespräche, Nutella, verdummte Fotos, Verfolger, Sonnenbrand, dicke Mückenstiche, schwäbische Küche, gastfreundliche Leute, abweisende Klöster, das erste Mal Trampen, ein Bad im Bodensee, Übernachten unter freiem Himmel und vom Gewitter geweckt werden.

Ein paar optische Eindrücke:



Schönes Lichtspiel nach dem erstem Mal Nass-Werden am ersten Tag.


Der riesige Hirschkäfer, der mich nach der ersten Nacht fies in den rechten großen Zeh gebissen hat, nachdem ich seine Model-Karriere beendet habe. Franzi wollte das eindrucksvolle Tier fotographieren, ich wollte es aus dem Fenster retten.


Franzi vor dem Schloss in Sigmaringen.


Ich in meinem Supergammelwanderoutfit.
War zum Laufen aber saubequem.


Wegweiser.
Der Weg war auf den meisten Etappen gut ausgeschildert. Entweder die Jakobsmuschel oder ein regionales Wanderwegzeichen hat uns geführt.


Schöne Aussichten, fast schon mediterran, finde ich.


Ich in meinem Schlafsack.
Unsere letzte Nacht in Überlingen. Nachdem wir nirgendwo aufgenommen wurden haben wir nach dem Baden direkt am Bodensee geschlafen, wurden von einem nahenden Gewitter geweckt und sind dann zum Bahnhof gelaufen, wo es auch zu regnen angefangen hat und wir die restliche Nacht wie die Penner verbracht haben.


Es war einfach unglaublich gut den ganzen Tag durch Wiesen, Wälder und Felder den Kopf frei zu laufen und Abends in irgendeinem schwäbischen Kaff anzukommen ohne die leiseste Idee, wo man übernachten kann, abgewiesen und dann doch aufgenommen zu werden von netten Einheimischen, Pfarrern oder dem Gasthaus mit den Käsespätzle.
Vielleicht geht’s irgendwann weiter von Überlingen über Konstanz Richtung Santiago de Compostela.


Gut gebräunt und mit einem Lächeln vom letzen Zahnarzttermin vor der Abreise fuhr ich dann am Dienstag nach Witzenhausen bei Kassel, wo das Ausreiseseminar stattfand. Ich wusste, dass ein solches Seminar –genauso wie ein MTM (Mid-Term-Meeting) und ein Rückkehrseminar- Pflicht war, aber nicht genau, was wir dort drei Tage lang groß besprechen sollten. Erwartungsfreiheit bewährt sich.
Sowohl der Tagungsort mit dem alten Kloster, der Uni und den vielen krummen Fachwerkhäusern als auch die Leute aus ganz Deutschland, die (wie ich) alle ein EVS irgendwo in Europa machen, haben eine super Atmosphäre geschaffen. Auf dem Tagesplan standen Themen wie eigene Motivation, Rechte und Pflichten und interkulturelles Lernen. Wir wurden zum Nachdenken angeregt, informiert und aufgeklärt, haben diskutiert und Meinungen ausgetauscht. Abends wurde zusammen gesessen, ein Bierchen getrunken und sich gut unterhalten. Alles in Allem ganz große Klasse!
Das Seminar hat mich für Nordirland völlig neu motiviert, Vorfreude hoch Zehn!


Unser Tagungsgebäude in Witzenhausen

Daher kamen die Teilnehmer

Dahin gehen die Teilnehmer

Das letzte Wochenende wurde mit Eltern, Schwester, Großeltern und Tante noch mal fett gegrillt, mit den Freunden Party gemacht und sich von allen verabschiedet.

Jetzt liegt mein ganzes Bett in erster Linie voller Klamotten, die alle noch in die große Tschibo-Sporttasche verstaut werden müssen. Entweder es geht nicht alles rein oder es wird mehr als 20 kg wiegen. Aber ich denke jetzt mal optimistisch. Meine Mutter, das Pack-Genie, wird das mit mir schon hinbekommen.

Morgen gehts los!
Dienstag, 8. September 2009, 10:40Uhr, Frankfurt Airport.
Das nächste Mal melde ich mich aus Nordirland!